Vermehrt hat es den Anschein, dass es salonfähig wird, sich in einem Rechtsstaat über den Tod eines Menschen zu freuen. Diese, zugegebenermaßen starke These, kann mit zwei, recht aktuellen, Beispielen verdeutlicht werden.
Aktuellstes Beispiel für diese Praxis ist der verstorbene Kim Jong II. Nach Äußerung eines Regierungssprechers sehe man in dem Tod Kim Jong II eine Chance für Veränderungen in dem autoritär regierten Staat. Würde die Freude dem möglichen Fortschritt im Land gelten gäbe es kaum etwas zu bemäkeln. Die Aussage ist jedoch klar auf den Tod des Menschen Kim Jong II ausgerichtet.
Ein anderes Beispiel ist die Reaktion Angela Merkels auf die Tötung von Osama bin Laden, sie sagte:
„Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“
Dass eine demokratische Regierung sich über die Schwächung eines international agierenden Terrornetzwerkes freut ist, meinem Empfinden nach, absolut legitim. Sich aber eindeutig formuliert über den Tod eines Menschen zu freuen, sollte nicht der Stil einer demokratischen Regierung sein, erst recht nicht eines Landes mit unserem geschichtlichen Hintergrund. Bundestagsvizepräsidenting Kathrin Göring Eckhardt bewertete diese Äußerung ähnlich:
„Man kann sich darüber freuen, dass Osama bin Laden nicht mehr als Anführer der Terroristen tätig sein kann. Aber über seinen Tod kann man sich nicht freuen.“
Fast schon kann man das als Bestätigung der Entscheidung für den Tötungseinsatz der US-amerikanischen Regierung verstanden werden.
Freude über mögliche demokratische Entwicklungen, Fortschritte in der Bekämpfung sinnloser Gewalt und andere demokratische, freiheitliche Ziele ist absolut verständlich und würde im Umkehrschluss auch vermisst werden, sollte sie ausbleiben.
Jedoch muss eine Volksvertretung, das Sprachrohr einer ganzen Nation, in Todesfällen ausreichend Pietät besitzen, sich nicht unverblümt über den Tod eines Menschen zu freuen. Der Tod eines Menschen ist kein erfreuliches Ereignis, allenfalls die Begleiterscheinungen, die dieser Tod mit sich bringen kann, da fehlt oft eine deutliche Differenzierung.
Das sollte nicht der angestrebte Stil einer Regierung sein, unabhängig von Partei und persönlicher Meinung.




